Was in Haßloch wächst: Ausbildung im Jugendhof und Weihnachtsbasar 2026

Barbara Leibig • 26. Oktober 2026

Hinter jedem Gesteck steht ein Ausbildungsweg.

Ein Blick hinter die Kulissen unseres Weihnachtsbasars.

Ein Weihnachtsstern bekommt seine Farbe nicht über Nacht. Er braucht Wochen mit langen, dunklen Nächten, gleichmäßige Wärme und jemanden, der jeden Tag nach ihm schaut. Wer am Samstag, 21. November 2026, den Weihnachtsbasar im Jugendhof Haßloch besucht, sieht das Ergebnis dieser Geduld. Was man nicht sofort sieht: Hinter jeder Pflanze, jedem Gesteck und jeder Holzfigur stehen junge Menschen, die bei uns eine Ausbildung im Jugendhof Haßloch machen und ihren Weg in einen Beruf finden.


Weihnachtsbasar 2026: Advent in unserer Gärtnerei

Einmal im Jahr öffnet der Jugendhof im Advent seine Gärtnerei im Bereich Zierpflanzenbau für Besucherinnen und Besucher aus Haßloch und der ganzen Pfalz. Alles, was dort angeboten wird, haben unsere Auszubildenden selbst gemacht, und jede Werkstatt hat ihren Teil beigetragen:

  • Zierpflanzenbau: selbst gezogene Weihnachtssterne in Rot, Weiß und Pink, dazu Gestecke, bepflanzte Schalen und Türkränze
  • Garten- und Landschaftsbau: Weihnachtsbäume, selbst geschlagen, aufgestellt und geschmückt
  • Maurerei: Figuren aus Naturmaterialien wie Moos, Holz, Stein, Eicheln und Kastanien sowie Vogeltränken
  • Schreinerei: Sterne, kleine Tannenbäume, Schlitten und größere Holzfiguren wie Schneemänner, Elche und Engel
  • Malerei: Sterne aus Tapetenresten, verziert mit Glitzersteinen
  • Hauswirtschaft: das gesamte Essensangebot des Tages, dazu Gebäck und vieles mehr


Bei Kaffee und Kuchen, herzhaften Speisen und warmen Getränken können Sie Ihren Besuch gemütlich ausklingen lassen.


  • Wann: Samstag, 21. November 2026, 10 bis 17 Uhr
  • Wo: Jugendhof Haßloch, Gärtnerei, Lindenstraße 100, 67454 Haßloch
  • Fragen zu Pflanzen und Gestecken: Zierpflanzenbau, Telefon 06324 / 931-128
  • Allgemeine Fragen: Jugendhof Haßloch, Telefon 06324 / 931-0


Der Basar ist ein Schaufenster. Er zeigt, was junge Menschen leisten, wenn man ihnen Zeit, Begleitung und eine echte Aufgabe gibt.


Sieben Berufe, sechs Werkstätten


Auf unserem Gelände bilden wir in sieben Berufen aus:

  • Maurerei: Maurer/in, Hochbaufacharbeiter/in
  • Malerei: Maler/in und Lackierer/in
  • Gärtnerei: Gärtner/in in den Fachrichtungen Zierpflanzenbau sowie Garten- und Landschaftsbau
  • Schreinerei: Tischler/in
  • Hauswirtschaft: Hauswirtschafter/in


Die überbetriebliche Ausbildung richtet sich an junge Menschen, die besondere Begleitung brauchen, oft auch an Jugendliche ohne Schulabschluss. Alle diese Berufe sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, Fachleute ebenso wie Helferinnen und Helfer. Je nach Voraussetzungen führt die Ausbildung zum Gesellenbrief oder als Fachpraktikerausbildung zu einem eigenen Abschluss. Die Ausbildungen dauern drei Jahre. Einzige Ausnahme ist der Hochbaufacharbeiter mit zwei Jahren; wer ihn schafft, kann ein Jahr anhängen und den Gesellenbrief als Maurer erwerben.



Wie die Ausbildung im Jugendhof funktioniert


Erst ausprobieren, dann entscheiden

Bevor sich ein junger Mensch für einen Beruf entscheidet, lernt er unsere Werkstätten mehrere Wochen lang im Praktikum kennen. Ausbilder, Ausbildungskoordination und die Jugendlichen selbst schätzen gemeinsam ein, was passt. Ergänzend ermittelt die Agentur für Arbeit in einem psychologischen Gutachten Stärken und Fähigkeiten und empfiehlt eine Voll- oder eine Fachpraktikerausbildung. Das Ziel ist eine Ausbildung auf dem richtigen Niveau, die fordert, aber nicht überfordert.


Ein Tag in der Werkstatt

Um 7.30 Uhr beginnt der Tag in der Werkstatt. Wer noch an einem Auftrag vom Vortag arbeitet, macht dort weiter; wer eine neue Aufgabe braucht, bespricht sie mit dem Ausbilder. Jede Aufgabe orientiert sich an dem, was im Beruf gelernt werden muss, und am persönlichen Stand des Auszubildenden. Der Ausbilder ist jederzeit ansprechbar und verbindet die Praxis immer wieder mit der Theorie, damit aus Handgriffen Verständnis wird. Nachmittags schreiben die Auszubildenden ihr Berichtsheft und halten genau fest, was sie wie gearbeitet haben; auch dabei gibt es Hilfe. Um 16 Uhr ist Feierabend.


Meister als Ausbilder, kleine Klassen

Derzeit begleiten sieben Ausbilder in unseren sechs Werkstätten 33 junge Menschen, überwiegend Auszubildende, dazu Jugendliche im Berufsvorbereitungsjahr und Praktikanten. Unsere Ausbilder sind Meister ihres Fachs, fast alle mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation. Gelernt wird nach den Rahmenplänen der Handwerks- und der Landwirtschaftskammer, ohne Produktionsdruck. Die Theorie vermittelt überwiegend die Berufsbildende Schule am Jugendwerk St. Josef in Landau, teils direkt in Haßloch, in kleinen Klassen. Angehende Maurer und Hauswirtschafter lernen an der BBS Neustadt, ebenfalls in kleinen Klassen. Förderunterricht hilft allen, Stoff nachzuarbeiten und sich auf Prüfungen vorzubereiten.


„Ich schätze es bei meiner Arbeit, die Entwicklung der Auszubildenden zu beobachten und zu sehen, wie sowohl die Auszubildenden untereinander als auch ich mit ihnen über die Jahre zusammenwachsen.“ Ausbilderin im Zierpflanzenbau


Wenn es einmal schwierig wird

Für jeden Auszubildenden gibt es einen individuellen Förderplan zu Fachpraxis, Sozialverhalten und Schule, der halbjährlich überprüft wird. Krisen zeigen sich in der praktischen Arbeit oft früh: wenn jemand morgens oder nach der Pause häufiger zu spät kommt, die Motivation nachlässt oder die Leistung sinkt. Dann setzen wir uns zusammen, mit dem Auszubildenden, der Wohngruppe oder den pädagogischen Betreuern, den Lehrkräften und bei Bedarf dem Psychologischen Dienst. Gemeinsam suchen wir die Ursache und steuern gegen, damit der junge Mensch seine Ausbildung weiterführen kann.


Raus in die Arbeitswelt

Überbetriebliche Lehrgänge bei den Kammern bringen unsere Auszubildenden mit Gleichaltrigen aus anderen Betrieben zusammen. Ab dem zweiten Jahr folgen Praktika in Betrieben der Region, oft der erste Kontakt zu einem späteren Arbeitgeber. Dazu kommen echte Aufträge: Bienenbeuten, Kinderstühle für einen Kindergarten oder ein Pflegeauftrag für eine Kirchengemeinde. Am Ende steht ein Satz, der viel bewirkt: „Das haben wir gebaut.“



Der Einstieg: das Berufsvorbereitungsjahr

Wer noch Zeit zur Orientierung braucht, beginnt mit dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Es richtet sich an Jugendliche im zehnten Schulbesuchsjahr, die an einer großen öffentlichen Berufsschule überfordert wären und von einem kleinen, überschaubaren Rahmen profitieren. 16 Wochenstunden Berufsschule verbinden sich mit praktischen Einblicken in Farb-, Bau-, Holz- und Agrartechnik. Neben der Berufsorientierung kann die Berufsreife erworben werden. Über das „Vor-BVJ“ ist der Einstieg jederzeit möglich, unabhängig vom Beginn des Schuljahres.



Für Jugendämter: Zugang und Rechtsgrundlage

Anfragen erhalten wir von Jugendämtern, die für einen jungen Menschen eine schulische oder berufliche Perspektive suchen. Beide Angebote sind eine Hilfe zur Erziehung, Kostenträger ist die Jugendhilfe.

  • Berufsvorbereitungsjahr: für Jugendliche, die im öffentlichen Bereich einer BBS überfordert wären. Rechtsgrundlage: § 27 Abs. 3 i. V. m. § 13 SGB VIII sowie §§ 12–17 Berufsschulverordnung Rheinland-Pfalz.
  • Berufsausbildung: bei Bedarf an besonderer Begleitung, wenn eine Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich ist und ein höherer Betreuungsschlüssel nötig ist, als ihn Maßnahmen der Agentur für Arbeit bieten. Rechtsgrundlage: § 27 Abs. 3 SGB VIII i. V. m. § 15 Abs. 2 SGB IX.

Alle Hilfen werden mit den Sorgeberechtigten und dem zuständigen Jugendamt abgestimmt. Uns belegen Jugendämter aus der Region, etwa aus dem Landkreis Bad Dürkheim, und weit darüber hinaus. Der Jugendhof ist nach DIN EN ISO 9001:2015 und AZAV zertifiziert.


175 Jahre Jugendhof: ein Ort zum Wachsen


Seit 1849 begleitet der Jugendhof junge Menschen auf ihrem Weg. Im Jubiläumsjahr zeigt der Basar im Kleinen, was diesen Ort trägt: das Vertrauen darauf, dass in jedem Menschen etwas wachsen kann. Advent ist eine Zeit des Wartens und Vorbereitens. In einer Gärtnerei versteht man das gut. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Familie.


Kontakt

Sie arbeiten in einem Jugendamt und möchten einen jungen Menschen anfragen, oder Sie haben Fragen zu unseren Werkstätten?

Ursula Hauck, Ausbildungskoordination · Telefon 06324 / 931-152 · u.hauck@evh-pfalz.de

Familien und junge Menschen wenden sich bitte zuerst an ihr zuständiges Jugendamt; dort beginnt der Weg zu uns.

Mehr über den Jugendhof Haßloch, Einblicke auf Instagram unter @jugendhofhassloch und unsere offenen Stellen auf karriere.evh-pfalz.de.


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